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Evolventenzahnrad-Profilgenerator – Parameter, Export und Anwendungen

Wer ein Zahnrad konstruieren will, kommt an der Evolvente nicht vorbei. Dieser Beitrag erklärt, warum die Evolventenverzahnung zum globalen Standard wurde, welche Parameter wirklich wichtig sind – und wie GearProfile.app daraus fertigungsreife SVG- und DXF-Dateien erzeugt.

Was ist eine Evolventenverzahnung?

Die Evolvente eines Kreises entsteht, wenn man sich vorstellt, wie ein straff gespannter Faden von einem Zylinder abgerollt wird – die Kurve, die der Fadenendpunkt dabei beschreibt, ist eine Evolvente. Auf dieses geometrische Prinzip gründet fast jedes moderne Zahnradgetriebe.

Der entscheidende Vorteil gegenüber älteren Zahnformen wie der Zykloide liegt in der Robustheit gegenüber Achsabstandsfehlern: Zwei evolventenverzahnte Räder übertragen auch dann noch ein gleichmäßiges Übersetzungsverhältnis, wenn der Achsabstand leicht von der Auslegung abweicht. In der Fertigung und Montage ist das ein enormer Vorteil. Hinzu kommt, dass Evolventenräder mit standardisierten Werkzeugen herstellbar sind – ein Fräser genügt für alle Zähnezahlen desselben Moduls.

Die DIN 867 und ISO 53/54 haben die Evolventenverzahnung zum weltweiten Norm-Zahnprofil erklärt. Wer heute ein Stirnrad auslegt, wählt fast immer eine Evolvente.

Die wichtigsten Parameter

Ein Evolventenzahnrad wird durch wenige, aber präzise definierte Größen vollständig beschrieben:

ParameterSymbolBedeutung
ModulmGrundmaß der Zahn­größe; Teilkreis­durch­messer d = m × z
ZähnezahlzAnzahl der Zähne; bestimmt Über­setzung und Geometrie
DruckwinkelαNeigung der Evolventen-Flanke; Norm­wert 20°
Kopfhöhen­beiwerth*aNormwert 1,0; Kopfhöhe = h*a × m
Fußhöhen­beiwertc*Kopfspiel­beiwert, Norm­wert 0,25
Profil­verschiebungxRadiale Verschiebung des Werkzeugs; verändert Zahnform ohne Modul­änderung

Die wichtigste Formel für den Einstieg: d = m × z. Der Teilkreisdurchmesser ergibt sich direkt aus Modul und Zähnezahl. Ein Rad mit Modul 2 und 20 Zähnen hat also einen Teilkreisdurchmesser von 40 mm.

Kopf- und Fußkreis

Der Kopfkreis bestimmt den Außendurchmesser: d_a = (z + 2·h*a) × m. Der Fußkreis liegt tiefer: d_f = (z − 2·h*a − 2·c*) × m. Zwischen Fußkreis und Grundkreis liegt der Übergangsbereich, in dem die Evolvente in einen Rundungsradius übergeht – dieser Bereich ist für Spannungskonzentrationen besonders relevant.

Profilverschiebung und Unterschnitt

Bei kleinen Zähnezahlen entsteht ein geometrisches Problem: Der Fußbereich des Zahns wird vom Werkzeug „unterschnitten" – Material, das eigentlich zur Zahnflanke gehört, wird abgetragen. Das schwächt den Zahn erheblich und verschlechtert das Übertragungs­verhalten.

Faustregel: Bei einem Druckwinkel von 20° tritt Unterschnitt auf, wenn die Zähnezahl unter den kritischen Grenzwert von z_min = 17 fällt. Bei 14,5° liegt dieser Wert noch höher (z_min ≈ 32), bei 25° niedriger (z_min ≈ 11).

Die Lösung heißt Profilverschiebung: Das Schneidwerkzeug wird radial nach außen versetzt (positive Profilverschiebung, x > 0). Dadurch wandert die Evolvente in einen günstigeren Bereich, der Unterschnitt wird vermieden, und der Zahn wird im Fußbereich dicker und damit tragfähiger. Eine Profilverschiebung ändert nichts am Modul und nichts an der Teilung – zwei Räder mit Summe x₁ + x₂ = 0 können ohne Achsabstandsänderung getauscht werden.

Positive Profilverschiebung empfiehlt sich besonders bei z < 17 (Unterschneidungsgefahr), bei ungleicher Zahnbelastung im Getriebe sowie wenn ein vorgegebener Achsabstand eingehalten werden muss.

GearProfile.app Schritt für Schritt

Die Webapplikation führt ohne Installation oder Registrierung direkt zum fertigen Zahnradprofil:

  1. Modul wählen: Für 3D-Druck empfiehlt sich m = 1,5 bis 3, für CNC-gefräste Maschinenzahnräder m = 2 bis 5. Die ISO-54-Normreihe bietet eine gute Orientierung.
  2. Zähnezahl eingeben: Mindestens 8, für ruhigen Lauf besser ≥ 17. Für ein Getriebepaar können Treiber und Abtrieb direkt nebeneinander konfiguriert werden.
  3. Druckwinkel festlegen: Standard ist 20°. Für besonders hohe Flankentragfähigkeit 25°, für Altbestände 14,5°.
  4. Profilverschiebung anpassen: Bei z < 17 automatisch einen positiven Wert setzen, z. B. x = +0,5.
  5. Vorschau prüfen: Die interaktive SVG-Vorschau zeigt Teilkreis, Kopfkreis und Fußkreis farblich markiert.
  6. Exportieren: SVG für Vektorgrafiken und Web, DXF für CAD-Import und CNC-Fräsen.

SVG vs. DXF – welches Format wofür?

GearProfile.app bietet zwei Exportmodi, die sich fundamental unterscheiden:

FormatEinsatzBesonderheit
SVG (Raw)Direktdruck, Laserschneiden, WebPolylinien mit hoher Punktdichte; schnell, universell kompatibel
SVG (High Quality)Illustrator, Inkscape, CAD-ImportNURBS-Splines; glatte Kurven, kleinere Dateigröße
DXF (Raw)CAM-Software, ältere CNC-SteuerungenPolyliniensegmente; maximale Kompatibilität
DXF (High Quality)Fusion 360, SolidWorks, FreeCADSpline-Entitäten (SPLINE); perfekte Kurvenqualität für CAD

Für das CNC-Fräsen auf professionellen Maschinen ist DXF High Quality die erste Wahl: Die Spline-Entitäten werden von modernen CAM-Programmen wie Fusion 360 oder HSMWorks direkt als glatte Fräsbahn interpretiert. Bei älteren Steuerungen oder einfachen Lasercut-Controllern empfiehlt sich der Raw-Export – dort werden Kurven ohnehin zu Liniensegmenten interpoliert.

Anwendungsgebiete

3D-Druck

Für FDM-Druck sind Module zwischen 1,5 und 3 praktikabel. Die Schichthöhe des Druckers sollte kleiner als 0,3 × Modul sein. Das SVG-Profil lässt sich in Fusion 360, FreeCAD oder OpenSCAD als Skizze importieren und direkt extrudieren. Wichtig: Für bewegliche Zahnräder im Druck leicht positives Spiel einplanen (0,1–0,2 mm am Radius).

Laserschneiden

Lasergeschnittene Zahnräder aus Acrylglas, Holz oder dünnem Stahlblech eignen sich hervorragend für Prototypen und Dekorationsobjekte. Module ab 2 sind für 3-mm-Material gut geeignet. Der SVG-Export wird direkt in Lightburn oder RDWorks importiert.

CNC-Fräsen

Für Aluminiumzahnräder oder Stahlritzel ist DXF High Quality ideal. Der Fräser muss kleiner sein als der Fußrundungsradius – bei Modul 2 und Druckwinkel 20° sind das ca. 0,5 mm. In Fusion 360 wird das DXF als Skizze importiert und dann als 2,5D-Taschenfräsung oder Konturschnitt programmiert.

CAD-Integration

Beide DXF-Varianten lassen sich in alle gängigen CAD-Pakete importieren: SolidWorks (Einfügen → DXF/DWG), CATIA, Siemens NX, FreeCAD sowie Autodesk Inventor. Das Zahnradprofil dient dann als Basis für 3D-Körper, Baugruppen und Fertigungszeichnungen.

Quellen und weiterführende Literatur

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